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Freitag, 13. Mai 2022

DER SCHWEIZER PANZERWAHN

Wegen des Ukrainekrieges wollen die Schweizer Militärköpfe in Verwaltung und Parlament jetzt wieder mehr Panzer beschaffen. 

Schon in den Achzigerjahren kaufte die Schweiz Unmengen von Panzern Leopard. Im Vorfeld der Beschaffung wurde ein Deutscher Panzergeneral, der einst selber noch im zweiten Weltkrieg gekämpft hatte eingeladen, um vor Fachleuten und der Beschaffungskommission ein Referat zu halten, das er, wie mir ein berufsmässiger Panzeroberst danach berichtete, wie folgt eröffnete:

"Na, meine Herren. Jetzt bin ich doch mit nem Zuch (Eisenbahnzug) über Basel und Olten hieher nach Bern gefahren. Wo haben Sie jetzt dieses Mittelland, in dem Sie mit Panzern fahren wollen?"

Diese wichtigste Frage wurde nicht diskutiert. 380 Leos wurden gekauft. Etwa ein Drittel ist noch im Betrieb, der Rest wurde verkauft oder eingemottet. 


Und ja, in diesen Jahren durchlief ich zwei mehrwöchige militärische Zentralschulen, wo wir auch supponierte Schweizer und Russische Panzerregimenter kommandierten: Panzergelände gibt es in der Schweiz nur in der Ostschweiz nordöstlich von Winterthur und in der Westschweiz zwischen Freiburg und Lausanne, der Rest der Schweiz ist verbaut, hügelig oder unwegsam und für Panzer eine Todesfalle.  

Ab den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts kamen die ferngesteuerten Panzerabwehrraketen, man konnte sich wieder verteidigen. Diese Raketen wurden immer besser und - wie der Ukrainekrieg zeigt - geht das bei der Panzerabwehr heute wie beim Tontaubenschiessen. Panzer sind verwundbar geworden, in unserem Gelände erst recht. Ich bin wirklich kein Armeegegner und würde die Beschaffung jeder Menge von Flugabwehrraketen, Panzerabwehrraketen und Drohnen befürworten. Aber mehr Panzer sind eine Bieridee. 

Und mein Panzeroberst? Er sagte mir mit andächtig-verklärtem Blick "Ja wenn so ein Leo anfährt, 56 Tonnen und 1500 PS, und im Sprung auf 60 Stundenkilometer beschleunigt - das ist einfach eine Wucht". 

Klar, auch Männer brauchen Spielzeug. Aber ob wir Steuerzahler das berappen sollen?