Über mich

Freitag, 25. Dezember 2020

mRNA-Impfung: Nobelpreiswürdig

(Erschienen auf Insideparadplatz.ch am 25.12.2020, mit bisher 166 meist feindseligen Kommentaren)

Diesen Nobelpreis kann man voraussagen: Noch nie war eine Impftechnik so sauber und elegant wie die neue mRNA-Impfung bei COVID. Wie war das denn früher?

Beim Impfen gegen Viren brachte man immer Virusbestandteile in den Körper ein, welche er zu erkennen und neutralisieren lernen sollte. Aber so einfach war das nicht.    

Impfen ist ein "messy business"

Jahrhundertealt ist die absichtliche Infektion mit dem vermehrungsfähigen Kuhpockenvirus, welches für  Menschen harmlos ist, aber vor Pocken schützt. Ein vermehrungsfähiges Virus steckte auch in der Schluckimpfung gegen die Kinderlähmung. Zwar war es abgeschwächt, selten verursachte es trotzdem Lähmungen wie die echte Polio. Man verwendet deshalb heute den abgetöteten Impfstoff nach Salk. Aber auch das Abtöten ist ein kritischer Schritt, der beherrscht werden muss.   

Dr.Jenner gewinnt Kuhpockenvirus

Zudem müssen Viren zur Gewinnung in lebenden Geweben vermehrt werden: Früher in Tieren oder Hühnereiern, heute meist in Zellkulturen. Daraus gewinnt man zuerst eine virushaltige Suppe, von der zu hoffen ist, dass sie keine anderen Viren enthält.  Aus dieser müssen die Virusbestandteile herausgetrennt werden, mit denen man impfen will. Das gelingt naturgemäss nie vollständig, es bleiben Reste der Wirtszellen oder der Hühnereier, welche u.a. allergische Reaktionen auslösen können. Um Virusbestandteile gegen die man impfen will in den Körper einzuschleppen kann man auch ein sog. "Virustaxi" verwenden, z.B. ein für den Menschen harmloses Affenvirus, dem Bestandteile des Virus, gegen das geimpft werden soll eingebaut wurden. 

All diesen Methoden gemeinsam sind zeitraubende und störungsanfällige Schritte, sowie das Einbringen von Fremdsubstanzen, die mit dem Impfzweck rein nichts zu tun haben. Diese Schwierigkeiten nimmt man in Kauf, weil viele Impfungen derart wirksam sind: Pocken und die Kinderlähmung sind zur Zeit keine Bedrohung mehr. Risiken und Aufwand haben sich gelohnt.  

Der Vorteil der mRNA-Technik 

Mit einer COVID-Impfung nun müsste man eigentlich nur Abwehrstoffe gegen das Eiweiss der Virushülle erzeugen, mit dem das Virus an den Zellen andockt. Ist dieses Eiweiss durch Antikörper blockiert, kann das Virus nicht mehr andocken. Mit den alten Methoden wäre das auch zu erreichen, und gewisse Impfstoffe versuchen das auch.  

Aber mit der RNA-Impfung wird man die meisten Zwischenschritte und Risiken los. Mit der mRNA gibt man dem menschlichen Organismus lediglich einen Bauplan, wie er das Eiweiss, gegen das man immunisieren will selber herstellen kann. Es gibt dabei keine vermehrungsfähigen Viren, kein unsicheres Abtöten, keine Verunreinigungen aus Zellkulturen oder Hühnereiern, keine Fremdeiweisse und Fremdviren. Die mRNA ist instabil, sie kann sich nicht vermehren und sie kann nicht in das Erbgut eingebaut werden. 

Weil so viele Zwischenschritte und Risiken ausgeschaltet sind geht die Entwicklung der Impfstoffe sehr schnell, und so sind die beiden ersten in den USA zugelassenen Impfstoffe solche mRNA-Impfstoffe. 

Zukunftsaussichten der mRNA-Technik

So neu ist die Technik aber auch wieder nicht: Mit mRNA wird seit Anfang dieses Jahrhunderts experimentiert. Der Pionier Dr.Steve Pascolo aus Zürich hat sich mRNA schon vor Jahren selber eingespritzt und anschliessend in seinen eigenen Gewebeproben bestätigt, dass diese mRNA zur Bildung von spezifischen Eiweissen führt. Eigentlich ist die mRNA-Technik ein molekularbiologisches Lego: Man forscht nicht nur an Impfungen, sondern auch an Anwendungen im Bereich von Herz-Kreislauf, Stoffwechsel- und Nierenkrankheiten sowie Krebs. Dort hofft man z.B., Abwehrreaktionen zu erzeugen, die für einen bestimmten Tumor eines bestimmten Patienten spezifisch sind. 

Wegen der COVID-Epidemie hat die mRNA-Technik einen Entwicklungssprung gemacht, der sonst Jahre gebraucht hätte. Ganz sicher werden wir noch viel davon hören. Und ich würde wetten, dass die Pioniere einen Nobelpreis erhalten. Viele Firmen sind auf dem Feld tätig, aber exclusiv mit mRNA beschäftigen sich nur drei: Biontech, Moderna und Curevac. Alle mit stolzer Börsenbewertung im Multimilliardenbereich, alle mit vielen Entwicklungsprojekten, aber erst zwei mit einem zugelassenen Produkt: Die COVID-Vakzine. 

Andere Beiträge zu COVID:


Samstag, 19. Dezember 2020

COVID-Impfung zugelassen: Die Folgen der Trölerei

Gestern Freitag teilte die Swissmedic mit, dass der erste Impfstoff zugelassen sei. Alle waren überrascht, hatte man doch vor gut einem Monat von einer Zulassung erst im Sommer 2021, oder Frühjahr gesprochen. Druck habe es gemäss Swissmedic nicht gegeben, die Unabhängigkeit habe gewahrt werden können. 

Der zweite Teil der Aussage mag stimmen. Aber Druck gab es sehr wohl. Ärzte haben ab Mitte November systematisch Parlamentarier, das BAG, die Eidgenössische Kommission für Impffragen, die Swissmedic und die Medien angeschrieben, um die unerträgliche Trölerei mit der Zulassung anzuprangern. Die vollständigen Entscheidungsgrundlagen waren spätestens seit der Publikation vom 10. Dezember im renommierten New England Journal of Medicine vorhanden.

Ob die Kampagne der Ärzte von Einfluss war bleibe dahingestellt. Jedenfalls hat die Trölerei jetzt Folgen: Wenn man am 10. Dezember entschieden hätte, hätte man schon im Dezember mit Impfen beginnen können. Die neun Tage Verzögerung führen dazu, dass nur einige Innerschweizer Kantone, Basel Stadt, Freiburg und Wallis schon im Dezember impfen. Sonst ist niemand bereit. In Bern z.B. sollen die Impfungen erst am 11. Januar beginnen. Zum Vergleich: Die USA und England begannen Impfungen unmittelbar nach der Zulassung. 

Auch wird man wachsam bleiben müssen, damit sich die Trölerei mit den Impfstoffen von Moderna, Johnson&Johnson und Curevac nicht wiederholt, denn nur mit diesen stehen genügend Dosen für eine breite Impfkampagne zur Verfügung. Wir lassen uns gerne überraschen, aber bis dahin bleiben wir dran.  

Andere Beiträge zu COVID: