Dienstag, 7. Januar 2020

Das extrapolierte Känguru - Roman Buchelis Fantasiewelt

(erschienen am 8.1.2020 auf www.infosperber.ch)

Jetzt hat auch der NZZ-Literaturkritiker Roman Bucheli zum Klimathema zugeschlagen, ein weiteres peinliches Beispiel, wie wenig ein Literat von Naturwissenschaft begreift (viele andere hier).

Im Artikel "Die Zukunft macht was sie will" in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7.1.2020 meint er: "Auf der anderen Seite erleben wir derzeit eine Konjunktur apokalyptischer Szenarien. Zumal die Klimabewegung wird nicht müde, auf der Grundlage extrapolierter Datenreihen den bevorstehenden Kollaps vorauszusagen." und zitiert als "Autorität" ausgerechnet den Alt-Weltwocheredaktor Markus Schär mit "Der Weltuntergang findet nicht statt".

Bucheli fährt fort: "...dieses Zukunftsmodell, wenn man es so nennen will, ist in zweifacher Hinsicht nicht besonders innovativ. Es schreibt zum einen die Vergangenheit linear in die Zukunft fort, und es hat zum anderen eine starke konservative Komponente."

Doch Literaturpapst Bucheli irrt: Das Problem ist doch, dass alles nicht linear verläuft, auch die Voraussagen nicht:

  • Der CO2-Ausstoss steigt nicht linear, sondern sich beschleunigend.
  • Damit wird nicht nur die Erwärmung beschleunigt, sondern sogar die Beschleunigung der Erwärmung.
  • Die Methanfreisetzung aus dem Permafrost, die verminderte Strahlungsreflexion wegen Eisschmelze und grossflächige Brände in Südamerika, Sibirien und Australien fügen beschleunigende Rückkopplungsschleifen hinzu.
Diese Nicht-Linearität ist geradezu des Pudels Kern und sie macht eine unbeherrschbare runaway-Situation jederzeit möglich. Wenn man den sich beschleunigenden Temperaturanstieg, die Temperaturrekorde der letzten zwölf Monate und die Brände in Südamerika, Sibirien und Australien betrachtet, so könnten wir schon mitten in diesem runaway sein.

Und Bucheli schliesst: "Nie wird das geschehen, was sie sich vorgestellt haben... Keiner hat eine präzise Vorstellung davon, wie die Welt aussehen wird bei einer Erwärmung von x Grad." Lieber Herr Bucheli: Wir sind hier nicht im Fantasiereich des Feuilletons. Um zu sehen, was die Erwärmung macht müssen Sie sich nichts vorstellen, nur nach Australien sehen. Ist das verkohlte Kängurubaby etwa "extrapoliert"? Die Brände in Australien wurden übrigens von Fachleuten und Feuerwehr vorausgesagt, aber die Regierung weigerte sich, zuzuhören.


Verkohltes Kängurubaby (Australien, Jan 2020)




Kommentare:

  1. Kein Kommentar aber ein Dankeschön für ihren Einsatz in diesem Blog.

    Das immer neue Formulieren eines an sich bekannten Problemes macht Sinn. Ich sehe es an mir selbst. Gewohnheiten zu ändern wird anfänglich negativ erlebt. Ich reiste und reise nur allzu gerne so weit als möglich, um entferntes, unbekanntes Neues zu erleben.

    Der stete Tropfen einer neutralen, interessanten Information zum Problem kann dieses negative Gefühl langsam zu etwas Positivem mutieren. Der Verzicht wird zum Erlebnis, das Konzept km zero wird zur sportlichen Herausforderung. Nur so kann unsere Gesellschaft verändert werden. Nur so wird sie den Planeten für Menschen bewohnbar erhalten und sich selbst einigermassen anständig über die Runden bringen.

    Fritz Gysin, Rovio

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  2. Ich denke auch, dass ein Journalist lesen könnte z.B. mal ein Buch über den Mechanismus des Treibhauseffektes.

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