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Sonntag, 11. August 2019

Warum dieser Blog?

(aktualisiert 11.11.2019)

Der Grund für diese Blog-Artikel ist folgender: Ich habe ab ca. 1974 politisiert und die Grünen mitbegründet. Aber ab 1991 habe ich aufgegeben, weil ich den Eindruck hatte, dass wir damit keine Wirkung hatten, und dieser Eindruck blieb bis im Frühjahr 2019.

Dann bin ich mit meinen 78 Jahren zweimal an Klimademos gegangen, hauptsächlich dabei waren Kinder und Jugendliche von 12-18 Jahren (bei der 68-er Bewegung waren es Studenten). Es war rührend und traurig zugleich, hier erstmals die breite Reaktion zu sehen, die nach dem ersten Bericht des Club of Rome 1972 so nötig gewesen wäre, die aber nicht stattgefunden hat.



Dann wurde berichtet, dass die Jugendlichen in Vollversammlungen wieder dieselben Fragen diskutieren, die wir bei den Grünen in den Achzigerjahren auch diskutiert hatten. Ich habe damals manche dieser Sitzungen organisiert. 

Da dachte ich, ich schreibe mal auf, was ich noch weiss und inzwischen herausgefunden habe. Viele Beiträge sind zuerst in anderen Gefässen erschienen, wie Tages-Anzeiger, Inside Paradeplatz, Bieler Tagblatt, Infosperber, Journal21 u.a.   

Lukas Fierz 

Kommentare:

  1. Ich machte 1971 die Matur und glaubte, alles zu wissen. Dabei war ich bis dahin nur in die Schule gegangen und hatte vom richtigen Leben keine Ahnung. Ich war ein verwöhnter, schöngeistiger Schnösel voller utopischer Ideale. Natürlich waren wir Linke, lasen Adorno und waren gegen Kernkraftwerke. Im Gymi schwenkten wir das Rote Büchlein des Massenmörders Mao, und hinten im Klassenzimmer hing ein Poster des bärtigen Terroristen Che Guevara. In der Rekrutenschule bei der Fliegertruppe lernte ich dank einiger Kameraden, die eine Berufslehre gemacht hatten, zum ersten Mal eine andere Welt kennen.

    Nicht zuletzt deshalb studierte ich nicht Theologie oder Germanistik und Philosophie, wie ich es ursprünglich geplant hatte, sondern Mathe und Naturwissenschaften und verstand u.a. schliesslich bis ins letzte Detail, was ein KKW ist.

    Die Jungen sollten heute ihre Zeit nicht mit Klimaaktivismus verplempern oder ein Selbstverwirklichungsfach wie Tanz oder Kunst studieren sondern ein MINT-Fach, oder einen technischen Beruf erlernen, damit sie wirklich in der Lage sind, den auf uns zukommenden Problemen zu trotzen.

    Ich finde es ungerecht, wenn heute gesagt wird, wir Alten hätten jahrzehntelang nichts für den Umweltschutz getan. Ich kann mich erinnern, wie noch in den Sechzigerjahren die PW mit Benzinmotor stanken und die Diesel schwarze Rauchwolken ausstiessen. Recycling war ein Fremdwort, und die Seen waren verschmutzt. Das änderte sich dank intelligenter und fleissiger Ingenieure und Techniker und politischer Kleinarbeit. Die Jungen sollten nicht nur demonstrieren sondern vor allem diese Arbeit weiter führen!

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    1. Wir haben etwas getan, - und gegen welche Widerstände. Aber bis 2030 wird die Globaltemperatur um 1,5 Grad ansteigen, das Artensterben und die Bevölkerungsexplosion gehen weiter und der vom Club of Rome vorausgesagte Ökokollaps für 2030 ist wahrscheinlicher denn je. Deshalb demonstrieren die Jungen :)

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  2. Guten Tag Herr Fierz
    Sie haben mir heute aus dem Herzen gesprochen mit Ihrem Kontext-Artikel im Bieler Tagblat vom 16.08.2019. Sie sind der Erste, dem ich begegne, der die Krise in ihrer Umfassheit anspricht. Wenn ich das Thema in meiner Umgebung anspreche, ernte ich entweder betretenes Schweigen oder man teilt mir eher ungehalten mit, ich solle nicht nur reden und 'jammern', sondern etwas dagegen tun. Nur: angesichts der monströsen Grössenordung dieser Krise befällt mich eher eine Starre. Denn egal, wie klimafreundlich ich lebe und meinen Alltag gestalte, es reicht hinten und vorne nicht. Wahlen bringen auch keine Wende, denn Grün/Liberale sind und werden in absehbarer Zeit eine Minderheit bleiben angesichts jener, die meinen es habe ja schon immer Klimaänderungen gegeben und/oder das Ganze sei doch nicht so schlimm, 'irgendwie ist es immer gegangen'...
    Und die Probleme lassen sich in der Schweiz ja noch diskutieren, aber weltweit?
    Nun meine Frage an Sie: wie gehen Sie persönlich mit diesem Wissen um? Wie kann man noch den Alltag bestreiten angesichts der unausweichlichen Katastrophe? Geht das nur mit Ausblenden? Ich habe drei wunderbare Kinder um die 20. Aber ich wünschte ihnen so sehr eine bessere Zukunft, als die, welche sie erwartet. Es tut mir im Herzen weh, zu sehen, wie alles den Bach runter geht.
    Ich danke Ihnen für Ihre Antwort herzlich.

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    1. Sehr geehrter Anonymus. Wir haben nach dem ersten Bericht des Club of Rome ab 1973 mit Gleichgesinnten versucht, Ökologie in die Politik einzubringen, wurden aber von links scheel angeguckt und von rechts blockiert, was 1983 zur Gründung der Freien Liste und der Grünen Partei führte. Wir hofften, damit ein gültiges Angebot zu schaffen, wurden aber einerseits von der bürgerlichen Presse verteufelt, von den ehemaligen Marxisten unterwandert und von den Wählern ignoriert. Der Effekt blieb bei Null. Die jetzigen Grünen bestehen teils aus Gesundbetern, die die wirklichen Probleme nicht ansprechen oder nicht einmal sehen (wollen). Als ich die Demos der Jungen sah, hat mich das betrübt und gerührt und ich habe beschlossen, als Grossvater und Arzt sei es meine Aufgabe, im Klartext aufzuschreiben, was Sache ist, dies, weil jede Reaktion mit einer Orientierung über die Fakten beginnen muss. Ich habe dabei trotz hohem Alter viel gelernt, davon am wichtigsten vielleicht, dass die meisten Wissenschaftler und Berichte des IPCC nur die halbe Wahrheit sagen (siehe mein letzer Blogeintrag), was ihnen die Überzeugungskraft nimmt. Wenn man das einmal begriffen hat, sieht man, dass die Sache mit Gesundbeten und gutmenschlichen Absichtserklärungen nicht zu lösen ist. Entweder man steuert ganz radikal um (wofür ich keine Anzeichen sehe) und hofft, die Situation noch retten zu können, oder man ergibt sich in das Schicksal. Und in beiden Fällen muss man sich mit der Frage beschäftigen, was man macht, wenn es weiter bergab geht. Das ist die gleiche Frage, die sich in hohem Alter jedem von uns stellt, nur diesmal für unsere Zivilisation. Aber schliesslich wurden die Amerikanischen und Australischen Ureinwohner auch nicht gefragt, bevor der Weisse Mann sie ausrottete.
      Mit freundliche Grüssen LF

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  3. Guten Tag Herr Fierz
    in den 70er Jahren absolvierte ich ein WK als Fourier in der Zentralschule, wo ich Sie als non konformen Absolvent in guter Erinnerung habe.

    Nun zu eigentlichen Thema: der ehemaligen Drogenarzt Seidenmann (Platzspitz) sagte kürzlich, dass die Corona-Epidemie ausser Kontrolle geraten sei und wir mit 7stelligen Todesfällen rechnen müssen. Andere Virologen/Epidemiologen zeichnen ebenfalls düstere Bilder für die Zukunft, mindestens solange, als kein sicherer Impfstoff vorhanden sei. Von einer Zellstrukturänderung des Virus gar nicht zu sprechen.

    Ich meine, dass diese Vorgänge vieles in unserer Gesellschaft bereits verändert hat und noch viel mehr verändern wird: Lockowns, Wirtschaftsrückgang, Zunahme Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen (Verschwörungstheoretiker), politische Veränderungen/Populismus usw.

    Andererseits ist diese Krise auch eine echte Chance für den Klimawandel. Mich würde Ihre Einschätzung für die Zukunft in dieser Hinsicht interessieren: ist jetzt dieZeit dafür reif, dass der Mensch, sagen wir mal nur im EU Raum, seinen Fussabdruck wirklich nachhaltig verändert bzw. er dazu gezwungen wird?

    Danke für Ihr Feedback und freundlicher Gruss
    BM

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  4. Lieber B.M., Schön, dass ich damals nicht einen allzu schlechten Eindruck hinterlassen habe.

    Corona beeindruckt mich nicht sehr: Auf sowas wartet man seit 20 Jahren und es könnte ja viel schlimmer sein.

    Es wird auch nichts an der Umweltsituation ändern: https://lukasfierz.blogspot.com/2019/07/und-was-wenn-wir-uns-nicht-retten-konnen.html, weil unsere Politik sich weitgehend auf Illusionen stützt, und verkennt, dass wir in einer unentrinnbaren, selbstverstärkenden Spirale stecken: https://cassandralegacy.blogspot.com/2020/10/taboos-and-illusions-in-environmental.html. Dieser Artikel wird wohl auch auf Deutsch erscheinen, ich weiss noch nicht wo.

    Freundliche Grüsse

    LF

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  5. Hallo Herr Fierz
    ja, ich hätte vorher wohl Ihre Postings lesen sollen.

    Sie erscheinen mir nun als Apokalyptiker, welcher keine Hoffnung mehr hat. Hoffnungslosigkeit ist jedoch auch kein Mittel, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Klar, ich als über 70ig jähriger sehe auch, in welch gefährlichem Wasser sich unser Schiff befindet. Damit dieses nicht an den Klippen und Felsen zerbricht, braucht es eine gute, vorausschauende Navigation durch einen erfahrenen Lotsen. Greta könnte ein solcher sein, ich hoffe, sie gibt nicht auf. Auch Sie können beisteuern durch Aufzeigen, welche Möglichkeiten wir noch haben. Davon gibt es aus meiner Sicht einige: Solarenergie, Digitalisierung, Rückstufung der Globalisierung (z.B. Impfstoff Herstellung von China wieder zurück zu uns=jedoch gleich Verteuerung) Milliardenschwere Investitionen in umweltgerechte Produktionsabläufe, steuerliche Anreize setzen für innovative Umweltprodukte, Influenzer so einsetzen, dass Verzicht besser ist als nur ständig konsumieren=neues Lebensgefühl, usw. Die Jungen von heute wären sicher dabei.

    Die Erfolgsmeldungen der Grünen bei Wahlen zeigen doch diesen Trend an, die Menschen wollen eine Veränderung, leider jedoch ohne das eigene Portemonnaie zu öffnen, aber auch dies muss/wird sich ändern. Verhaltensänderungen sollten aus meiner Sicht nicht apokalyptisch erfolgen, sondern mit möglichst vielen Lösungsansätzen.

    Gerne hoffe ich, dass Morgen der Psychopath Trump abgewählt wird und sich die USA als Wrtschafts-Weltmacht bezüglich Klimaziele neu aufstellt. Denn, wenn die Amerikaner einmal wirklich erkannt haben, wo anzusetzen ist, dann ist ihr Innovations Trieb und Geist unübertroffen. Das gibt mir Hoffnung.

    Lieber Gruss
    B.M.



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    1. Dass ich ein Apokalyptiker sei meint auch die NZZ, aber ich bin keiner, ich bin Realist, der der Sache ins Auge schaut. Das tun die Grünen nicht, die faseln von 1,5 Grad-Ziel und von der 10-Millionen-Schweiz. Ihr Erfolg ist irrelevant, weil er ausser Gesundbeten keine fundamentale und hinreichende Verhaltensänderung erzeugt.

      Aber, um es nochmals auch für Sie zu wiederholen:
      Wir haben - schockiert vom Club of Rome 1972, dessen Schlussfolgerungen eines Ökokollapses Mitte dieses Jahrhunderts bis heute absolut zwingend sind - mitgeholfen, die Grünen zu gründen, genau in der Hoffnung dass "Verhaltensänderungen nicht apokalyptisch erfolgen sollten, sondern mit möglichst vielen Lösungsansätzen" (Ihre Worte). Das war vor bald vierzig Jahren. Und der Effekt war gleich Null. Man musste schon 1991 einsehen, dass alles nichts nützt. Ich habe dann aus Protest die Salonmusik gemacht, die auf der Titanic und in den Konzentrationslagern zu den Selektionen und Vergasungen gespielt wurde. Live-Aufnahmen von damals: https://www.youtube.com/watch?v=QpJ-U9tiD2o&list=PLqWzBqQokFVkj_j8GEq35SToQ5Iiw5526

      Im übrigen habe ich die Situation ab 1991 verdrängt. 2015 kam die Flüchtlingskrise und die Reaktion von Merkel und Co. schien mir ganz irrational, genährt durch den Nachachtundsechzigeraberglauben, dass der Mensch gut und der Teufel "rechts" sei.

      Schon seit 30 Jahren wollte ich ein Buch darüber schreiben, wie gemein man die Invaliden und Unfallopfer behandelt- Ich hätte vielleicht 30 solcher Fälle, aber so ein Buch wäre nicht auszuhalten. Angeregt durch die Flüchtlingskrise beschloss ich, ein Buch über die Realität des Teufels zu schreiben: "Begegnungen mit dem Leibhaftigen" Tredition 2016. Da waren zwei drei solche abscheuliche Versicherungsfälle drin und vieles andere. Es hatte auch ein grosses Kapitel über die Migrationskrise. In diesem Zusammenhang wandte ich mich an den 90-jährigen Arnold Hottinger, legendärer Nahostkorrespondent der NZZ, um seine Meinung zu haben. Er sagte, natürlich züchte Merkel nur einen neuen Faschismus, aber es sei wurst, weil es jetzt sowieso alles verbrenne. Der alte Mann gab mir ausführliche Literaturangaben.

      Ich habe daraufhin das Migrationskapitel auf einen Nebensatz zusammengestrichen. Dafür ist mir die Geschichte eingefallen, die ich 1956 mit C.G.Jung erlebt hatte. Und ich schliesse das Büchlein mit einem Résumé der Klimasituation Stand 2015. Es wurde mir von Schellnhuber, Wagner und Knorr (alles namhafte Klimatologen) als korrekt befunden.

      Meine berühmte Frau hat daraus eine musikalische Produktion "Dies irae" gemacht, die 2017 in Luzern Première hatte und von der Presse ignoriert wurde (https://www.youtube.com/watch?v=h7GB8UTeuZ8). Inzwischen aber auch in Berlin, Bern etc. aufgeführt. Geplante Wiederholungen in Stuttgart, Paris und London könnten COVID zum Opfer fallen. Die Produktion hat uns eine Einladung zu Klimapapst Schellnhuber nach Potsdam eigebracht, wo er uns das Institut zeigte. Meine irrationale Frau hat keine Fassade und sie bringt oft andere Leute dazu, ihre Fassade fallen zu lassen. Schellnhuber hat uns zum Schluss des Besuchs in seinem Büro, das einst Einstein gehörte, gesagt, dass er keinen Ausweg aus der Klimafalle mehr sehe. Das hat dieser Mann öffentlich nie gesagt.

      Misstrauisch geworden habe ich dann begonnen zu studieren, ob die IPCC-Prognosen zutreffen, und musste leider feststellen, dass sie die schlimmsten Komponenten der Entwicklung ausblenden, nämlich die matchentscheidenden Selbstverstärkungmechanismen. Die Situation ist wesentlich gravierender als noch 2015 erkennbar oder als im Tagesanzeiger und Fernsehen gezeigt. Zum Artikel "Und was, wenn wir uns nicht retten können?" hat mir Schellnhuber gesagt, es sei genau so und es werde scheusslich. Er ist nicht der einzige, der das sagt. LF


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